Mein erstes Mal ... im Theater am Gleis

Redaktion Kyros Kikos
Redaktion Kyros Kikos

Ich erlebe gleich drei persönliche Premieren: Das erste Mal im TaG. Mein erstes Improvisationstheater. Zudem ist es der Premierenabend des Stücks. 

Immer wieder finde ich den Weg von Zürich nach Winterthur. Die Eulachstadt hat kulturell einiges zu bieten. Doch das «Theater am Gleis», obwohl schon seit über 45 Jahren unverzichtbarer Bestandteil der Winterthurer Kulturszene, befand sich bisher unterhalb meines Aufmerksamkeitsradars. «Das muss sich ändern», denke ich und beschliesse einen Besuch.

Auf dem Programm steht «Cashflow» von Badumts & Stupid Lovers. Sagt mir nix. Ich forsche nach. Zwei Duos, die sich dem Improvisationstheater verschrieben haben. Miro Hintermüller und This Wachter, die Lokalmatadoren und Nicole Erichsen und Gunter Lösel aus Deutschland. «Na danke» denke ich,  «Improtheater»! Ahnungslos assoziiere ich gut gemeinte Workshops und performative Selbsthilfegruppen. Wie sich herausstellt: ein Irrtum – und zwar ein gründlicher.

Im Stil einer Revue verweben die Vier auf der Bühne diverse Fragmente, manche inszeniert, andere frei improvisiert, zu einem Stück voll herzerfrischender Komik und schelmisch-liebevoller Interaktion mit dem Publikum, musikalisch untermalt von Daniel Wirth. Geld ist das Thema. Seine Entstehung. Sein Sinn. Seine Auswirkungen. Tolle und zugleich schlaue Unterhaltung. Das sehe wohl nicht nur ich so, denn die Stimmung ist prächtig und der Applaus enorm.

Entzückt und zufrieden labe ich mich nach der Vorstellung am Schaumwein des Premierenapéros und nutze die Gelegenheit, mich im Gebäude umzuschauen. Ein feines Theater. Die grossflächige Bühne bietet Raum zum Austoben und die Publikumstribüne bietet für 120 Menschen Platz. Auch das Foyer mit Bar und Proberaum wirkt grosszügig, unaufdringlich hübsch und erzeugt eine wohlige Atmosphäre.

Ich stosse mit Geschäftsleiterin Martina Müller an, die meine Fragen charmant erträgt und geneigt beantwortet: 1979 gründete sich ein Verein aus der freien Kulturszene heraus mit dem Focus auf Kindertheater und Kleinkunst, der sich in einer alten Fabrik hinter den Bahngleisen niederliess. Daher der Name. Knapp zehn Jahre später wurde die Fabrik abgerissen. Das TaG wanderte umher, spielte in Zelten, residierte eine Weile in der Loge am Graben und fand schliesslich 1997 im Gebäude des Milchverbands das heutige Zuhause, passenderweise wieder in unmittelbarer Bahnhofsnähe.

Nach wie vor experimentiert hier die freie Szene der Stadt und präsentiert Theater, Tanz, Konzerte und Kinderprogramme. Spannend ist die Organisationsstruktur des Hauses. Wenigen Festangestellten in Leitung, Administration und Technik stehen Dutzende von Ehrenamtlichen gegenüber, die in verschiedenen Gruppen für Programm, Bar und Veranstaltungsablauf verantwortlich sind. Entscheidungen werden im Kollektiv getroffen.

Hier wird das Ehrenamt noch in Ehren gehalten, Partizipation tatsächlich gelebt und künstlerische Intelligenz gefördert. Das Ergebnis: ein gastliches Theater mit einem erstaunlichen Programm. Und wer Badumts & Stupid Lovers sehen möchte, hat am 3. März unter dem Titel «Theatersport» noch einmal Gelegenheit dazu.

Theatersport

Theater am Gleis

Theatersport

Vier Schauspieler*innen steigen wieder in den Ring und kämpfen um die Gunst des Publikums. Die Disziplin: Improvisationstheater. Aus dem Nichts kreieren ...

mir wäre so wohl wenn wir zusammenkommen könnten

Theater am Gleis

mir wäre so wohl wenn wir zusammenkommen könnten

Fasziniert von der Schönheit und den Abgründen in Michael Fehrs Texten, entwickelte Susanne Schneider eine eindrucksvolle Collage aus Tanz, Musik und ...

24.10.2026  |  20:00 Uhr

Die kleinste Gabel der Welt

Theater am Gleis

Die kleinste Gabel der Welt

Darf man einen Menschen verurteilen, der etwas geklaut hat, das so klein ist, dass man es noch nicht mal mit dem grössten und besten Mikroskop der Welt ...

28.10.2026  |  15:00 Uhr

Theater am Gleis

Irre Welle

Willlkommen bei «Irre Welle», der Frequenz unter der Oberfläche! Zwei Moderatorinnen rücken aussortierte, weggesperrte und ignorierte Frauen ins ...

30.10.2026  |  20:00 Uhr

Von Kyros Kikos am 20. Februar 2025 veröffentlicht.

Mehr von unseren Scouts

Literarische Highlights im Februar
05.02.2026

Literarische Highlights im Februar

Zwischen den Seiten zischelt und knallt es, der Februar wird laut und bewegt: Mit Filmklassikern, viel Livemusik und der Frage, wie man leben soll.

Seraina Kobler
Seraina Kobler
Filmtipps für den Oktober
08.10.2026

Filmtipps für den Oktober

Kurzfilme über Zürich im Wandel, die Weiterführung eines literarischen Werks, eine Nacht voller Schrecken und ein Film- und Musikprogramm aus Marokko

Nora Kehli
Nora Kehli
Klicks als Waffe
17.09.2026

Klicks als Waffe

Globale Konflikte werden heute auch auf digitalen Plattformen mittels Desinformation ausgetragen. «Das Ende des Westens» im Theater Winkelwiese erzählt, wie.

Sira Negri
Sira Negri

Mehr von deinen Scouts

Laura Binggeli
Laura Binggeli
Viviane L. Tuvera
Viviane L. Tuvera
Gretta Bott
Gretta Bott
Nora Kehli
Nora Kehli
Sandra Smolcic
Sandra Smolcic
Sari Pamer
Sari Pamer
Alle Scouts