Mein erstes Mal ... in der Graphischen Sammlung Zürich

Redaktion Eva Hediger
Redaktion Eva Hediger

Von der bewegten Geschichte der österreichischen Künstlerin Friedl Dicker-Brandeis sowie Irrungen und Wirrungen an der ETH.

In fremden Städten kann ich mich nur schwer orientieren. Doch kürzlich habe ich mich in Zürich verloren. Ich irrte nicht durch Strassen, sondern durch ein Gebäude der ETH. Mein Ziel hatte ich noch problemlos gefunden: Die Graphische Sammlung, die sich im Gebäude an der Rämistrasse 101 befindet, nicht unweit des Haupteinganges entfernt.

Die Graphische Sammlung der ETH besteht aus den Werken von über 8500 Künstler:innen. Es werden regelmässig Führungen, Vorträge und Ausstellungen organisiert. So zeigt die Graphische Sammlung bis 18. Juni 2023 das Schaffen von Friedl Dicker-Brandeis. Die Österreicherin war «eine Künstlerin der Moderne», wie auf dem Plakat zu lesen ist.

Zum ersten Mal überhaupt werden die vielfältigen Werke der Österreicherin jetzt in der Schweiz ausgestellt. Darunter sind Handtaschen, Entwürfe für Bühnenbilder, Pläne für Inneneinrichtungen, Malereien und Collagen. Dicker-Brandeis wird als künstlerisches Multitalent bezeichnet, das unter anderem die Grundlagen der Kunsttherapie legte. Sie war auch politisch höchst aktiv, weshalb sie 1934  Wien verlassen musste. Acht Jahre später wurde sie nach Terezín (Theresienstadt) deportiert. 1944 wurde Friedl Dicker-Brandeis in Auschwitz ermordet.

Ihre ausgestellten Kunstwerke in der Graphischen Sammlung wirkten nach. Sie waren vielschichtig, teilweise überraschend. Daheim habe ich Friedl Dicker-Brandeis gegooglet. Ihre bewegte Lebensgeschichte beschäfigte mich.  

Weniger eindrücklich fand ich persönlich die Räumlichkeiten der Graphischen Sammlung. Einige Stücke der Ausstellung wurden in einem grossen Raum präsentiert, andere im Gang. Es ist halt kein klassisches Museum, sondern in erster Linie eine Hochschule. Und so stolperte ich auf dem Rückweg an Hörsälen und Studierenden vorbei. Ich musste falsch abgebogen sein, fand den Ausgang nicht mehr. Auf meinem Irrweg habe ich immerhin die neue Dauerausstellung «Thomas Mann und sein Arbeitszimmer» entdeckt, in deren Zentrum der Schreibtisch des Autors steht. Genauso überraschend stand ich plötzlich wieder in der grossen Halle. Bhu!

Friedl Dicker-Brandeis, Flirtendes Paar II (1921–1923)
© Kunstsammlung und Archiv der Universität für angewandte Kunst Wien, 
Foto: Manuel Carreon Lopez

Graphische Sammlung ETH Zürich

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© Kunstsammlung und Archiv der Universität für angewandte Kunst Wien, 
Foto: Manuel Carreon Lopez

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Von Eva Hediger am 18. Mai 2023 veröffentlicht.

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