Ein Teppich aus Geschichten

Am Eingang heisst es: Schuhe ausziehen, Kopfhörer auf. Dann betritt man eine bunte Teppichlandschaft im Friedhof Forum Zürich und legt sich mitten hinein in die Stadtgeschichte.

Nah und unverblümt

Besonders eindrücklich empfand ich die Geschichten der Frauen. Bürkli und Co kennt man natürlich, doch die weiblichen Protagonistinnen der Zürcher Geschichte waren mir – abgesehen von Johanna Spyri – weitgehend unbekannt. Besonders hängen bleibe ich bei Mariella Mehr. Die jenische Schriftstellerin erzählt von einem Leben, das von Fremdbestimmung, Ausgrenzung und Zwang geprägt war und macht deutlich, dass es noch nicht lange her ist, dass Frauen in der Schweiz nur wenig über ihr eigenes Leben bestimmen konnten. Ihre Erzählung ist rau, kraftvoll und trifft direkt ins Herz.

Die zehn Geschichten sind kunstvoll miteinander verwoben und entfalten in ihrer Gesamtheit ein Panorama von 200 Jahren Zürcher Stadtgeschichte. Trotz der Länge von 95 Minuten wirken sie kurzweilig; in der Liegelandschaft entstehen Bilder vor meinem inneren Auge, die die Vergangenheit lebendig werden lassen.
 

Mitnehmen aufs Feld

Ich war etwas knapp vor der Schliessung ins Friedhof Forum gegangen, deshalb reichte die Zeit nicht für alle zehn Biografien. Aber kein Problem: Am Ausgang lässt sich ein QR-Code scannen, um die Geschichten auf dem Handy weiterzuhören – etwa beim Spaziergang über den Friedhof. Zwischen den Gräbern der erzählten Figuren weiterzuhören macht das Ganze noch einmal intensiver.

Die Ausstellung «Zehn Leben – Die Geschichte einer Stadt» macht Erinnerung zu einem sinnlichen Erlebnis: persönlich, klug, nahbar. Entstanden ist sie in Zusammenarbeit des Friedhof Forums mit dem Projekt Einfach Zürich.

Zu sehen bis 9. Juli 2026 im Friedhof Forum Zürich. Eintritt frei.

Öffnungszeiten:
Mo: geschlossen
Di-Do: 13.30–17.30 Uhr
Fr & Sa: geschlossen
So: 13.30–17.30 Uhr

Friedhof Forum
Museum über Leben und Tod
Aemtlerstrasse 149 8003 Zürich​​​​​​​

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Friedhof Forum

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