Vom Büro auf die Bühne

Redaktion Kyros Kikos
Redaktion Kyros Kikos

Der Zürcher Slam Poet Gregor Stäheli erzählt über sein erstes Soloprogramm und das Abenteuer, als Comedian durchstarten zu wollen.

Für Gregor Stäheli ist der 22. Mai 2025 ein besonderes Datum: Dann feiert seine erste eigene Soloshow im Theater Millers Premiere. «Out of Office» ist nicht nur der Titel seines Debüts, sondern umschreibt treffend seinen kühnen Schritt vom Slammer mit sicherem Bürojob zum professionellen Bühnenkünstler.
 

Im heimeligen Si o No in Wiedikon sitzen wir bei Kaffee, und ich möchte wissen, wie sich dieser Schritt für ihn anfühlt. 
«Gut. Sehr gut. Aber auch herausfordernd. Ich muss viel Klinken putzen. Ich bin ja noch ganz am Anfang als Comedian.»
 

Tatsächlich stammt Gregor aus dem Poetry Slam. Zahlreiche seiner über 300 Auftritte hat er gewonnen; ausserdem moderiert er den ältesten Open-List-Slam in Zürich. Wie kam er überhaupt zur Bühne?
«Am Gymi in Basel habe ich einen Slam-Workshop mit Phibi Reichling belegt – pure Neugier. Mit Literatur hatte ich wenig am Hut. Aber es machte Spass, und so habe ich mich in Olten bei einem U20-Slam angemeldet. Ab da war ich angefixt. Als ich 2010 zum Studium nach Zürich kam, hab’ ich hier weitergemacht. Ob Ausbildung, Praktikum oder Job, nebenher gab’s immer Poetry Slam. Unter anderem im Acapulco, wo Phibi moderiert hat. Die Moderation habe ich später von ihm übernommen. Mittlerweile sind wir damit in der Eldorado Bar.»
 

Wann entstand denn die Idee, Comedy hauptberuflich zu machen?
«Es gibt viele gute ernste Slam-Texte. Das kann ich gar nicht. Ich habe eher Jokes gemacht und war damit schon in der Nähe von Comedy. Ich habe auch andere Formate ausprobiert, mache regelmässig Stand-up, Kabarett und satirische Videos. Ein abendfüllendes Programm zu schreiben, hat mich immer gereizt, aber ich war im Job so eingespannt, dass keine Luft dafür blieb.» Er lacht breit: «Dann wurde unsere Abteilung geschlossen und ich per Kündigung zu meinem Glück gezwungen. Ich dachte: Wann, wenn nicht jetzt? Endlich hatte ich Zeit.»
 

Und keine Angst vor der eigenen Courage? Keine Zweifel?
«Zweifel gehören zur Bühne. Im Büro konnte ich Kritik gut wegstecken. Ein misslungener Auftritt bringt dich ganz anders runter. Dafür ist die Euphorie bei Erfolg umso grösser. Man muss lernen, mit Höhen und Tiefen umzugehen. Als Newcomer, der noch nicht sehr bekannt ist, musste ich lernen, mich selbst zu managen. Ich mache das aber gerne, es ist mein neuer Job. Ein ganz anderer Job: persönlicher, abwechslungsreicher, mit viel mehr Selbstdisziplin. Mittlerweile kann ich damit umgehen und geniesse meine eigene Zeiteinteilung. Ich bin froh, noch im Eldorado involviert zu sein. Ich gebe auch wieder mehr Workshops an Schulen, trete bei Privat- und Firmenanlässen auf. Ich muss ja in Zürich Miete bezahlen und du weisst, was das heisst. Mein Umfeld und meine Familie geben mir tollen Halt. Und zur Not könnte ich wieder in den alten Beruf zurück, aber das versuche ich natürlich zu vermeiden.»

Seine persönliche Erfahrung «raus aus dem Office» hat er gleich zum Inhalt seines ersten Programms gemacht. «Ich greife gerne Themen auf, mit denen alle etwas anfangen können. Und die meisten Menschen sind mit Arbeitsabläufen vertraut. Ich war lange genug Teil des Büroalltags, um viel dazu sagen zu können.»
 

War die Premiere erfolgreich?
«So sehr, dass das Millers gleich einen Folgetermin angeboten hat, am 11. Dezember. Der war ratzfatz ausverkauft, also gab es zwei weitere: den 29. Mai 2026 und einen im Februar 2027. Dazu kommen weitere Shows in der ganzen Schweiz. Und es gab tolles Feedback vom Publikum. Eine Frau schrieb mir, mein Auftritt habe sie so inspiriert, dass sie ihren Marketingjob gekündigt habe. Das fand ich natürlich wunderschön. Ich will die Leute ja nicht in die Arbeitslosigkeit treiben, aber meine Show scheint sie zu beflügeln.»

Nächste Aufführungen in Zürich:
6. Februar 2026 im Gleis 21
29. Mai 2026 im Millers

 

Alle weiteren schweizweiten Termine könnt ihr auf Gregors Website und Insta-Account nachlesen: gregorstaeheli.ch, instagram.com/gregorstaeheli

Von Kyros Kikos am 11. Dezember 2025 veröffentlicht.

Mehr von unseren Scouts

Livemusik im April
26.03.2026

Livemusik im April

Der Frühling ist da, die grossen internationalen Künstler:innen kommen wieder in die Stadt. Aber auch aus der Region gibt es tolle Bands zu entdecken.

Steffen Kolberg
Steffen Kolberg
Mein zweites Mal ... Orgelmusik am Morgen
14.12.2023

Mein zweites Mal ... Orgelmusik am Morgen

«Da kommst du einfach irgendwie glücklicher aus dieser Kirche heraus!»

Gretta Bott
Gretta Bott
Die geheimnisvolle Villa Patumbah
13.02.2025

Die geheimnisvolle Villa Patumbah

Keine Ritter, dafür Drachen: Gustavo lässt sich von Butler Johann das prächtigste Haus der Stadt zeigen.

Adrian Schräder
Adrian Schräder

Mehr von deinen Scouts

Sonja Streifinger
Sonja Streifinger
Raphaela T. Ernst
Raphaela T. Ernst
Nora Kehli
Nora Kehli
Susanna Koeberle
Susanna Koeberle
Daniela Bär
Daniela Bär
Nicole Seipp-Isele
Nicole Seipp-Isele
Alle Scouts